Dein Ton macht die Musik!

Das ist systemische Hörtherapie

Die systemische Hörtherapie ist eine Weiterentwicklung der Tomatis-Therapie.
In der systemischen Hörtherapie setzen wir laufend moderne neurobiologische Erkenntnisse um.

Einen ganz besonderen Stellenwert hat die intensive persönliche Begleitung der Klienten.
Die von Dr. Alfred Tomatis entwickelte Technik bewirkt ganz viel, bereitet sozusagen den Boden vor.
Eine tiefgreifende und nachhaltige Veränderung der eigenen Persönlichkeit, gelingt aber noch besser, wenn ein anderer Mensch in dieser besonderen Zeit, Halt und Unterstützung gibt.

So weit gewünscht, werden Malen und kreatives Gestalten in die Therapie einbezogen. Das führt oft zu veblüffenden Erkenntnissen und Entwicklungsschritten.

Prof. Dr. Alfred Tomatis

Die systemische Hörtherapie nutzt die bahnbrechenden Forschungsergebnisse des HNO-Arztes Dr. A. Tomatis.
Durch seine intensiven Forschungen kam er zu den folgenden zentralen Erkenntnissen:

  • Die Stimme enthält als Obertöne nur die Frequenzen, die das Ohr hört.
  • Gibt man dem Ohr die Möglichkeit, nicht mehr oder nicht gut wahrgenommene Frequenzen wieder korrekt zu hören, so treten diese augenblicklich und unbewusst wieder in der Stimme in Erscheinung.
  • Die über eine bestimmte Zeitdauer wiederholte akustische Stimulation führt zu einer dauerhaften Veränderung des Gehörs und folglich auch der Stimme.

Das "elektronische Ohr" des Dr. Tomatis

Seine Forschungen über berufsbedingte Schwerhörigkeit führten Dr. Tomatis zur Arbeit mit Opernsängern, die Probleme mit ihrer Stimme hatten.

Um seinen Klienten besser helfen zu können, entwickelte Dr. Tomatis das sog. elektronische Ohr - einen Klangwandler mit vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten - und dazu passende Spezialkopfhörer.
Mit Hilfe dieses Klangwandlers können gezielt einzelne Frequenzen der Musik verändert werden. Und die Musik wechselt zwischen einer Höhen- und einer Tiefenbetonung. Diese sog. Wippe trainiert die kleinen Muskeln im Mittelohr.
Ebenso ist es möglich, mit dem" elektronischen Ohr" Einfluss zu nehmen auf das Zusammenspiel des Hörens über den Knochen und des Hörens über das äußere Ohr und das Mittelohr.

Da Dr. Tomatis aber nicht nur Medizin, sondern auch Psychologie studiert hatte, stieß er bald auf verblüffende Zusammenhänge zwischen dem Hörvermögen und der Psyche des Menschen.
Er befasste sich intensiv mit der Hörwahrnehmung des Kindes im Mutterleib und stellte fest, dass das Ungeborene über die Stimme der Mutter schon früh die Welt "hört".
Er entdeckte, dass das Hören von hochgefilterter Musik, die nur Frequenzen über 8000 Herz enthält, zu einem verbesserten Zugang zum Unbewußten führt, das Erinnern von Träumen erleichtert und Künstlern einen besseren Zugang zu ihrer Kreativität verschafft.

Bei Kindern setzte er die hochgefilterte Stimme der Mutter erfolgreich zur Lösung diverser seelischer Probleme und bei Schul- und Lernschwierigkeiten ein.

Im Verlaufe seiner weiteren Forschungen entdeckte Dr A. Tomatis die vielfältigen Wechselwirkungen zwischen der Hörwahrnehmung eines Menschen, seinen Verhaltensmöglichkeiten, sowie seinem seelischen und körperlichen Befinden. Diese spiegeln sich im individuellen Hörprofil wider und geben so Anhaltspukte für die optimalen Einstellungen des Klangwandlers für den einzelnen Menschen.

Hintergrundwisssen

Wer es genau wissen will, findet auf dieser Seite Erklärungen zu den Wirkmechanismen der systemischen Hörtherapie. Das hilft die sehr komplexe Wirkweise der Hörtherapie zu verstehen.

Wissenschaftliche Studien zu den Effekten der systemischen Hörtherapie sind gut. Hilfreich ist es aber auch, wenn man an Hand von eigenem Erleben nachvollziehen kann, wie die Therapie wirkt.
Dazu möchte ich mit dem folgenden Text beitragen.

Unser Hören ist ein sehr komplexes Wahrnehmnungssystem, welches sowohl mit unserem Körper als auch mit unserer Psyche und dem Bewusstsein eng verbunden ist.
Es ist wenig verwunderlich, dass sogar unser Gleichgewichtssinn, also auch unsere motorischen Fähigkeiten und unser Hören eng miteinander vernetzt sind, liegt doch das Gleichgewichtsorgan ganz zentral im Ohr!

Rhythmus

Leben verläuft in Rhythmen und Schwingung. Einatmen - Ausatmen. Tag - Nacht. Ebbe - Flut. Vollmond - Neumond. Werden - Vergehen. Nehmen - Geben. Anspannung - Entspannung.
Unser Herzschlag, Jahreszeiten, Stoffwechsel, Töne, Musik - alles verläuft rhythmisch.

Normalerweise gleicht ein gesunder Organismus Ungleichgewichte ganz von selber wieder aus.
Der heutige Mensch ist meist aber nicht mehr so eingebettet in die Rhythmen der Natur wie früher. Er macht die Nacht zum Tag. Will immer mehr haben. Steht im Alltag ständig unter Spannung... oder kommt gar nicht erst in Gang. Er ist im Ungleichgewicht.

Nun müssen wir uns zum Glück keine Gedanken machen, wo wir welche Seite überbetonen und wie wir das ausgleichen können. Mit der systemischen Hörtherapie beginnt der Organismus, sich ganz natürlich selber zu regulieren.

Mikrogymnastik

Während der systemischen Hörtherapie machen die kleinen Muskeln im Mittelohr eine Art Mikrogymnastik.
Mit Hilfe des von Dr. Tomatis entwickelten Klangwandlers (dem sog. elektronischen Ohr) wechselt die Musik kaum hörbar zwischen einer Tiefen- und einer Höhenbetonung und regt diese Muskeln so zu einem Wechsel zwischen Entspannung und Anspannung an. Die Wirkung hiervon beschränkt sich aber nicht auf das Ohr.
Wir finden wieder zurück zu den Rhythmen des Lebens. Wir werden - wieder - flexibler, können situationsgerecht besser zwischen Aufmerksamkeit / Anspannung und Entspannung wechseln.

Automatischer Ausgleich

Der Organismus reguliert sich von ganz alleine neu: wer bisher zu viel auf Spannung gesetzt hat (wie die meisten Menschen in der heutigen Zeit), kommt mehr in die Entspannung. Das kann zunächst zu vermehrter Müdigkeit führen - ein sehr gutes Zeichen, denn dann regeneriert der Mensch sich. In der Entspannung findet körperliche und seelische Heilung statt. Lösungen von Problemen tauchen fast wie von selbst auf. Der Geist kommt zur Ruhe.

Kindern mit Down-Syndrom weisen behinderungsbedingt eine zu niedrige Körperspannung auf. Bei ihnen kann man sehr schön den gegenteiligen Effekt beobachten. Meist kommt es innerhalb von sehr kurzer Zeit zu einer verbesserten Körperspannung, die Aufmersamkeit und das Interesse an der Umgebung verbessern sich. Dadurch macht ihre Entwicklung oft deutlich sichtbare Fortschritte. Sie beginnen zu sprechen oder meistern andere anstehende Entwicklungsschritte schneller und erfolgreicher.

Die Ohren spitzen

Wir hören über die Schallwellen der Luft.
Winzige Knochen (vielleicht erinnern Sie sich aus der Schule noch an Amboss, Hammer und Steigbügel) und Muskeln im Mittelohr regulieren die Spannung des Trommelfells und können so die Weiterleitung der Töne ins Innenohr situationsgerecht dämpfen oder verstärken.
Donnert ein Lastwagen an uns vorbei, sind wir froh, dass unser Trommelfell erschlafft und ähnlich einer schlecht gespannten Trommel, nur einen Bruchteil der Lautsärke weiterleitet.
Spitzen wir dagegen die Ohren, weil uns jemand etwas zuflüstert, ist das Trommelfell gut gespannt, damit uns nur ja nichts entgeht.
Wer die Ohren spitzt wird sich automatisch aufrichten und aufmerksam sein. Hier zeigt sich schon im ganz alltäglichen Erleben einer der vielen Zusammenhänge zwischen Hören, Körperspannung und Aufmerksamkeit.
Einen ähnlichen Vorwarnmechanismus gibt es auch im Innenohr.

Bei sich sein

Wir hören auch direkt über den Knochen.
Das können Sie leicht nachvollziehen, wenn Sie sich die Ohren zuhalten und feststellen, dass die eigene Stimme auf einmal ganz anders klingt. Außerdem werden Sie merken, dass Ihre Wahrnehmung mit zugehaltenen Ohren viel mehr auf Sie selber ausgerichtet ist. Wenn Sie nun noch die Augen schließen, sind Sie ganz "bei sich".

Im Zusammenspiel zwischen dem Hören über die Knochenleitung und demjenigen über die Luftleitung spiegelt sich unsere Zugewandtheit zu uns selber bzw. zu unseren Mitmenschen und der Welt. Dementsprechend hört ein Kind bis etwa zum Schulalter - und ganz besonders im Mutterleib - besser über die Knochenleitung. Es taucht von Jahr zu Jahr mehr aus seiner eigenen Welt auf und setzt sich mit der Welt " da draußen" auseinander.
Im Hörprofil zeigt sich diese Entwicklung, indem die rote Linie, welche das Hören über den Knochen abbildet, allmählich bis dicht unter die blaue Linie absinkt, welche das Hören über die Luftleitung anzeigt.

In schwierigen Lebenszeiten, in denen der Mensch sich wieder mehr nach innen wendet, steigt die Knochenleitung dann vorübergehend wieder ganz oder teilweise über die Luftleitung an.
Fehlt es einem Kind auf Grund mangelnder positiver Bindungserfahrung oder durch traumatische Erlebnisse an Urvertrauen, macht es möglicherweise niemals diesen Schritt in die Welt.Zusätzlich wird es das Hören bestimmter Frequenzen blockieren, welche mit dem traumatischen Erlebnis in Resonanz stehen.

Spezialkopfhörer

Die in der Hörtherapie verwendeten Spezialkopfhörer, übermitteln die Musik über die Luftleitung und zusätzlich über die Knochenleitung. Hierzu ist ein Vibrator innen am Bügel des Kopfhöreres befestigt, welcher die Musik direkt über die Schädelknochen hörbar macht. Auch hier ermöglicht das "elektronische Ohr ", der von Dr. Tomatis entwickelte Klangwandler, vielfältige individuelle Einstellungen.

In Zeitlupe hören

Verschiedene Mechanismen in unserem Hörsystem "sagen" den Muskeln im Mittelohr, ob sie nun das Trommelfell anspannen sollen oder nicht und bereiten die feinen "Hörhäarchen" im Innenohr auf das zu erwartende Hörerlebnis vor.

Das Hören über den Knochen ist eines dieser Vorwarnsysteme. Stellen Sie sich vor, Sie sitzen in ein spannendes Buch oder Spiel vertieft, in einem Raum ohne Blick auf die Tür.
Es platzt jemand herein und stürmt geradewegs auf Sie zu.
Höchstwahrscheinlich erschrecken Sie sich, fahren zusammen oder schreien den Eindringling sogar an. Auf jeden Fall brauchen Sie einen Moment, um sich zu orientieren und zu sortieren.
Ganz anders, wenn der hereinkommende Mensch zunächst angeklopft und auf Ihr "herein" gewartet hätte. Dann hätten Sie Zeit gehabt, "aufzutauchen" und könnten viel angemessener auf den anderen Menschen eingehen, bzw. sich abgrenzen.

Bei manchen Menschen hat sich nun durch verschiedene Erlebnisse ihre Reaktionsgeschwindigkeit reduziert, bzw. gar nicht erst richtig ausgebildet. Sie haben gelernt, das "Anklopfen" zunächst einmal zu überhören. Vielleicht, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass auf das Anklopfen hin selten etwas Positives folgt.

Mit Hilfe des elektronischen Klangwandlers und der Spezialkopfhörer mit Knochenleiter, können wir in der systemischen Hörtherapie ganz individuell die Zeit einstellen, die zwischen "Anklopfen" und "Erscheinen des Menschen im Raum" vergeht.
Der Mensch kann sozusagen in Zeitlupe hören. Wie wir alle aus Erfahrung wissen, erleichtert eine Verlangsamung ganz enorm das Lernen. Wenn wir uns mit etwas Neuem auseinandersetzen, brauchen wir einfach viel mehr Zeit, um all die komplexen Einzelteile zu berücksichtigen.
In der Hörtherapie haben wir so die Möglichkeit, "die Zeit noch einmal zurück zu drehen". Das Hörsystem wird ganz sanft stimuliert, allmählich wieder auf die Vorankündigungen zu achten und wieder reaktionsschneller zu werden. Die Verarbeitung des Gehörten im Gehirn kann optimaler organisiert werden. Auf der psychischen Ebene wird der Mensch entsprechend wieder "berührbarer", flexibler, kann sich besser abgrenzen.

Dein Ton macht die Musik!